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Unique Design

Das Handwerk ist die Grundlage ihrer künstlerischen Arbeit, ganz im Sinn des Soziologen Richard Sennett: Erlernt wird der Umgang mit Material und Werkzeug als implizites Wissen, d.h. durch Nachahmung meisterlicher Vorbilder ohne sprachliche Distanzierung und Reflexion.[i] In allen Aspekten des Umgangs mit Holz hat die Künstlerin die traumwandlerische Sicherheit, die es nur nach langer Praxis mit einem Material gibt. Sie wählt das richtige Holz für den richtigen Zweck aus, sie kennt die Bedeutung des Halbzeugs für die endgültige Form und deren Gestaltung, sie weiß alle Behandlungen von Oberfläche und Binnenstruktur zu unterscheiden und wendet sie selbstverständlich an, ohne je darüber nachdenken zu müssen – es gelingt ihr einfach alles. Diesen Umgang hat sie sich mit anderen Materialien, vom Stahl bis zur Leinwand und den darauf zu platzierenden Farben, erst aneignen müssen; hier spiegelt sich in jedem Resultat auch die bereits sprachlich gefasste Reflexion des eigenen Handelns wider. Das gilt insbesondere für die Malerei, deren Stand in der Gesellschaft der bildenden Kunst kein leichter ist: 

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Die Brüche ziehen sich durch viele Werke, auch durch die von Martine Seibert-Raken. Es sind vor allem, wie Christof Breidenich einmal festgestellt hat, mediale Brüche. Mit dem Handwerk hat sie begonnen, über das Design ist sie schließlich zur bildenden Kunst gekommen: Martine Seibert-Raken arbeitet seit einigen Jahren im Dreiländereck dieser Disziplinen, mit durchaus wechselnden Schwerpunkten und in sehr diversen Medien. Ihre bildhauerische Arbeit verrät handwerkliches Können wie designerische Eleganz, beharrt aber auch auf künstlerischer Autonomie gegenüber fast jeder Indienstnahme. Die Skulpturen von Martine Seibert-Raken verbinden Holz und Metall, aber auch Licht und irisierende Kunststoffe. Meist stehen sie für sich, manchmal hängen sie als Reliefs an der Wand oder als Objekte von der Decke herab. Andere wiederum können als Tisch oder Leuchte genutzt werden und behalten dennoch ihre Eigenart als Kunstwerk. Die Arbeiten von Martine Seibert-Raken werden als Installationen in Gärten, auf Hausdächern oder im urbanen Raum inszeniert. Wie alle guten Skulpturen sind die Werke all-ansichtig; man muss um sie herumgehen, sich ihnen seitlich oder aus unterschiedlichen Perspektiven nähern, um sie ganz zu verstehen oder sich an ihnen zu erfreuen. Für Reliefs und Gemälde gelten selbstverständlich andere Regeln des Ansehens; auch sie sind im Œuvre von Martine Seibert-Raken fest verankert.

[i] Richard Sennett, Das Handwerk, Berlin 2008, S.44-79.






 

verschwimmen an der Wand, die weichen Drähte tasten sich vorsichtig in den Raum, der von Besucher*innen des Ateliers ohnehin gefüllt ist. Alle Werke von Martine Seibert-Raken fragen nach einer präzisen Platzierung, einfach dem ihnen angestammten und zustehenden Raum.

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Vor den Brüchen kommen die Kontraste: Die Gestalterin setzt Tische und Bänke auf durchbrochene Metallplatten, die ihre Trägerfunktion zudem diagonal versehen, sich also einer einfachen Zuordnung im Anblick entziehen. Der Kontrast zwischen einer Hohlform – runder Ausschnitt eines quadratischen Blechs – und einer geschlossenen Platte, die für einen funktionierenden Tisch vonnöten ist, kommentiert zugleich andere Kontraste: zwischen rund und eckig, zwischen schwer und leicht, zwischen durchbrochen und verdeckend. Daneben sorgen formale Kontraste für Irritationen der Verhaltenserwartung – wer einmal schmunzelnd zugesehen hat, wie Menschen überlegen, ob sie auf einem Tisch von Martine Seibert-Raken ein Glas abstellen dürfen oder sich auf einen ihrer Hocker setzen können, der erlebt diese Irritationen als unmittelbar körperliche Erfahrungen. Am Ende siegt dann immer die Funktion über die Form - dann darf es im Umfeld dieser Objekte sogar gemütlich werden. Das harte Metall steht auf rauhem Grund, die schrundigen Malgründe 

verschwimmen an der Wand, die weichen Drähte tasten sich vorsichtig in den Raum, der von Besucher*innen des Ateliers ohnehin gefüllt ist. Alle Werke von Martine Seibert-Raken fragen nach einer präzisen Platzierung, einfach dem ihnen angestammten und zustehenden Raum.

Lightobjects artful Designer and handcrafted